Ein weiteres Mal veranstaltete das Kath. Männerwerk der Kirchengemeinde Kraichgau in der Fastenzeit den im Jahresprogramm angekündigten Besinnungsmorgen.
Obmann Gerhard Weber, Meckesheim, konnte im Prälat Bauer Haus in Sinsheim-Dühren am Sonntag, den 8.3.26, dem Tag der Landtagswahl in Baden – Württemberg, eine stattliche Anzahl Besucher begrüßen, unter ihnen auch den Vorsitzenden des Männerwerks der Erzdiözese Freiburg Herr Johannes Hauger aus Villingen sowie den Referenten der Veranstaltung Pfarrer i.R. Winfried Abel, Fulda.
Das Thema für den Besinnungsmorgen lautete:
„Barmherzigkeit – die Sendung der Kirche“
Kurze Daten zur Person: Pfarrer Abel ist heute 87 Jahre alt und hat ein bewegtes Leben hinter sich. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie empfing er 1964 die Priesterweihe, um anschließend an verschiedenen Orten als Kaplan zu wirken. Doch schon bald zeichnete sich eine besondere Berufung ab, die er selbst rückblickend als eine der schönsten Zeiten seines priesterlichen Wirkens bezeichnet. Er widmete sich viele Jahre mit Hingabe der Gefängnisseelsorge in Kassel. Die Jahre, die er dort verbrachte und die Erlebnisse aus dieser Zeit schrieb er auf vielfachen Wunsch in seinem Buche mit dem Titel: „Barmherzigkeit sprengt Fesseln“ nieder. Es ist eine Sammlung bewegter, mitunter ernster, aber auch heiterer Geschichten aus dem Gefängnisalltag.
Dann beginnt Pfr. Abel mit dem Thema Barmherzigkeit, einem zentralen Thema zur Schwelle in das dritte Jahrtausend, wie er es ausdrückte. Mit umfassendem Wissen aus der Kirchengeschichte und der Heiligen Schrift stellte er die Entwicklung der Barmherzigkeit in Kirche und Gesellschaft dar. Schon nach dem Sündenfall greift die frohe Botschaft das Gott mit Menschen einen Heilsweg geht (Gen.3,15).
Am 11. Oktober 1962 eröffnete Papst Johannes XXIII das II. Vatikanische Konzil. In seiner Eröffnungsrede sprach er davon, dass die Kirche den Irrtümern der Zeit widerstanden hat, oft in Strenge und Urteilen, jetzt aber das Heilmittel der Barmherzigkeit an der Reihe sei.
Die nachfolgenden Päpste bestätigten diese Aussage. Besonders Johannes Paul II, der 1978 zum Papst gewählt wurde. Herauszuheben sind in diesem Themenkomplex zwei Enzykliken, die er schrieb: „Jesus redemptor hominis“ sowie „dives in misericordia“. Hier wird „Jesus Christus, der reich ist an Erbarmen“ beschrieben. Die Barmherzigkeit war ein Pfeiler seines Pontifikats, dass ergibt sich auch daraus, dass er Schwester Faustina, eine polnische Klosterfrau, die von Jesus in ihren Visionen den Auftrag erhielt, seine Barmherzigkeit in der Welt bekannt zu machen, 1993 selig und im Jahre 2000 heiliggesprochen hat.
Darüber hinaus erklärte er den Sonntag nach Ostern zum Barmherzigkeitssonntag. Pfarrer Abel schilderte, wie wichtig es war, dass die Barmherzigkeit wieder in das Bewusstsein der Menschen gerufen wird, zumal der Begriff im Kommunismus in Russland vollkommen aus dem Sprachegebrauch liquidiert war und es kein passendes Wort mehr dafür gab. Dafür wurde proklamiert, dass Mitleiden nicht sein darf, bedingungsloses Verzeihen und Vergeben so nicht ins System passen.
Was ist nun mit der Barmherzigkeit gemeint? Anhand von zwei Heiligen: erstes Adam Chmielowski – auch bekannt als Bruder Albert und zweitens Charles de Foucauld beschrieb er die Barmherzigkeit als „Mitleben“ als Armer unter den Ärmsten bzw. als Penner unter Pennern. Beide lebten die Spiritualität des „Mitlebens“ und „Mitleidens“, die auch Jesus vorgelebt hat. Sie starben beide 1916 und hinterließen ihr Lebenszeugnis. Mit einer Geschichte von Martin Buber aus den Chassidischen Erzählungen mit Rabi Soussia und einem Wirt rundete er die Geschichtsschreibung der Barmherzigkeit ab.
Fazit: man kann den Menschen nur helfen, wenn man mit ihnen lebt und dabei selbst in der inneren Verbindung mit Gott bleibt. Der Referent schloss den Bogen seiner Ausführungen immer wieder mit seinen Erfahrungen als Gefängnisseelsorger. Seine Schlussfolgerung lautete: Man muss sich ganz aufgeben, um voll umfänglich im Sinne Jesu mit Leben zu können – sozusagen ein Gefangener unter Gefangenen sein, damit sich die Macht der Barmherzigkeit auswirken kann. So kann die Barmherzigkeit im wahrsten Sinne Fesseln lösen.
Am Ende der Veranstaltung war das Auditorium von der Fülle der hochtheologischen aussagekräftigen Darlegung des Referenten Pfarrer i.R. Winfried Abel zu einem anspruchsvollen Thema unglaublich bereichert und etliche Gäste erwarben sein Buch zum Thema „Barmherzigkeit“ mit einer persönlichen Widmung.
Unser Obmann Herr Weber (KMW) schloss die Veranstaltung mit dem Dank an die zahlreichen Besucher sowie die Akteure Pfarrer Abel als Referent, Herr Helmut Mathies für die Aufzeichnung und Kameraführung und gab die weiteren Veranstaltungen des KMW bekannt.
So trifft man sich am 10. Mai zur Männerwallfahrt in der Annakapelle auf dem Steinsberg und vom 8. bis 15. August zur Gebetswache auf den Lindenberg.
Zum Abschluss des Besinnungsmorgens feierten die Teilnehmer gemeinsam mit Pfr. Abel den sonntäglichen Gottesdienst in der benachbarten Kirche.
Bei schönem sommerlichem Wetter gab es noch anregende Gespräche auf dem Kirchplatz oder man bestaunte die Dauerausstellung des Dührener Künstlers Paul Berno Zwosta im Kircheninnenraum.